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Elbenbergerinnen / Elbenberger II

05.01.19 (Allgemein)

Momente der Freude schenken

 

 

 


Tanja-Marie Streller und Andreas Hartmann aus Elbenberg arbeiten als Klinikclowns

Die roten Nasen sitzen. Noch kurz auf dem Gang durchatmen. Was Tanja-Marie Streller und Andreas Hartmann hinter der Tür genau erwartet, welche Stimmung, welche Sorgen, wird sich zeigen. Nur soviel ist klar: Im Zimmer sind Patienten, Menschen, die hoffen, bald wieder gesund zu sein. Ihnen gilt gleich die ganze Aufmerksamkeit der beiden Klinikclowns, ihnen wollen sie ein Lächeln schenken, mehr noch: Momente der Freude.


Gut gelaunt: die Clowns Andreas Hartmann und Tanja-Marie Streller unkostümiert in ihrem Fachwerkhaus im Naumburger Stadtteil Elbenberg.
Mit dabei das freche Stoffschweinchen Dolores, sowie Ernesto, Esmeralda und Plüschhund Jacques.

Als Flitze und Spagl sind die beiden Profis aus Elbenberg unterwegs, regelmäßig im Klinikum in Fulda, auch im Fritzlarer Krankenhaus waren sie jüngst bei den Patienten zu Besuch. „Wenn ich in ein Zimmer komme“, sagt Spagl alias Andreas Hartmann, „habe ich innerhalb von fünf Sekunden das Thema“, den Aufhänger, mit dem die Kontaktaufnahme gelingt. „Und wenn nicht“, sagt der 61-Jährige weiter, „dann mache ich meinen Rucksack auf“. Ein virtuelles Behältnis, randvoll mit Techniken, die einen guten Clown ausmachen. Dazu gehört Musik, Jonglage, Zauberei, all das, was man sich über die Jahre angeeignet hat.

Und da haben sowohl Tanja-Marie Streller wie auch Andreas Hartmann eine Menge zu bieten. Hartmann, vom Typ sehr ruhig, fast melancholisch, erzählt von seinen Ausbildungsstationen seit den frühen 1980er-Jahren: Körpertheaterschule, Theaterschule, dann die Praxis als Freiberufler mit Straßentheater und nationalen, aber auch internationalen Clownsprojekten. Dass er in Münster ein Pädagogikstudium absolvierte und mit Diplom abschloss, erwähnt er beiläufig. In Münster begann er 1996 auch als Klinikclown.

Tanja-Marie Streller, die „fröhlich Sprudelige“, wie sie sich selbst beschreibt, kam in ihrer Heimat Mecklenburg zur Clownerie. Die heute 39-Jährige gründete 2007 die „Rostocker Rotznasen – Klinikclowns im Einsatz“. Inzwischen geben Streller und Hartmann, die seit 2013 auch privat ein Paar sind, in ganz Deutschland Seminare und Workshops für Bühnenclowns, Klinikclowns, auch für Pflegepersonal. „Jeder, der sich ine rote Nase aufsetzt, glaubt, er ist ein Clown“, sagt „Spagl“ Hartmann. „Eine fundierte Ausbildung ist aber ganz wichtig.“ Gerade für die Clowns, die in Pflegeheimen und Kliniken unterwegs sind. „Klinikclown, das ist eine Profession“, sagt Streller. „Das Empathisch-Menschliche ist wichtig“, besonders wenn man Kinderstationen besuche. „Ehrlich und liebevoll, dazu mit einer leichten künstlerischen Distanz“ müsse man den Patienten begegnen. „Der kranke Mensch muss das Gefühl haben, es passiert mir nichts Schlimmes oder Unangenehmes.“ Dann ist er auch bereit, mitzuspielen. Und das sei ganz wesentlich, betont „Flitze“ Streller, „denn auch der Clown ist davon abhängig, dass es eine Resonanz gibt.“ Ganz gleich, ob man es mit einem einjährigen Kind oder mit einem 85-jährigen Senior zu tun hat. „Ohne Resonanz spielt man sich in ein Vakuum.“ Dann wird es schwer, für die zauberhaften Momente zu sorgen, die den Klinikalltag vergessen lassen, die die Genesung befördern.


Magische Momente: Tanja-Marie Streller als Krankenhausclown mit einem kleinen Patienten in der onkologischen Abteilung der Uni-Kinderklinik in Rostock.

Flitze und Spagl sind allerdings Meister in der Kontaktaufnahme. Wenn es schwierig wird, hilft auch schon mal das sprechende Stoffschweinchen Dolores. Und so gelingt den beiden Clowns mit den roten Nasen auch an diesem Vormittag wieder, jenseits der Tür den Raum mit dieser besonderen Atmosphäre zu füllen, den Patienten „ein paar Sonnenstrahlen zu schenken“, wie es Tanja-Marie Streller beschreibt.

„Und dann gehst du aus dem Zimmer und die Magie geht wie ein Hauch mit dir raus“, sagt Andreas Hartmann. „Was aber noch bleibt, ist dieses gute Gefühl.“

Quelle, ©HNA=24.12.2018

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