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Sammeln in der “Kernstadt”

07.05.19 (Allgemein, aus der Kernstadt)

Sammler machen den Deckel drauf

Aktion zur Finanzierung von Polio-Impfungen in Naumburg wird im Sommer beendet

 

 

 „Dass es mal solche Ausmaße annehmen würde, hätte ich nicht gedacht“, sagt Pamela Cellarius sichtlich begeistert und blickt auf 18 Big Bags voller bunter Plastikdeckel. 

Gut zwei Millionen Teile, schätzt die Naumburgerin, mögen wohl in den riesigen Säcken sein, die dicht an dicht im Lager im Naumburger Industriegebiet stehen. Bis Ende Mai wird hier noch gesammelt, dann ist Schluss, die deutschlandweite Aktion „Deckel drauf e. V.“, die über den Verkauf der Plastikverschlüsse an Recycling-Unternehmen Impfdosen gegen Kinderlähmung (Polio) finanziert, wird eingestellt.

Jetzt hofft die 36-Jährige noch auf einen richtigen Endspurt ihrer vielen Unterstützer, damit weitere 400.000 Deckel dazukommen. Dann wären in der Sammelstation der Naumburgerin in den drei Jahren, in denen sie sich für die Aktion engagiert, insgesamt rund vier Millionen der kleinen Plastikverschlüsse zusammengekommen – genug, um rund 8000 Impfdosen gegen Polio zu finanzieren.

Pamela Cellarius’ Mann war im Jahr 2016 während einer Dienstreise auf die Aktion des Rotary-Clubs Herzogtum Lauenburg-Mölln aufmerksam geworden, die Pamela Cellarius auf Anhieb begeisterte, weil man mit geringem Aufwand viel bewirken kann: Die Flaschendeckel, allesamt aus hochwertigem Kunststoff, werden an ein Verwertungsunternehmen verkauft und mit dem Erlös Schluckimpfungen in Ländern der Dritten Welt finanziert. Für eine Impfdosis, die 30 Cent kostet, braucht es knapp 500 Deckel.

Pamela Cellarius machte sich an die Arbeit, sammelte im eigenen Haushalt, rührte aber auch eifrig die Werbetrommel, um Mitstreiter zu finden. Und das ist der Finanzbeamtin letztlich auch bestens gelungen. Sie holte als erste größeren Unterstützer den Kindergarten ihres Sohnes Luis und den örtlichen Edeka-Markt ins Boot. Inzwischen zählt sie unter anderem auch die Feuerwehr Elmshagen, die Fritzlarer Heeresflieger, die Kasseler Firma Hübner und VW in Baunatal neben vielen privaten Sammlern zu ihren Helfern.

Der Keller im Haus der Familie Cellarius wurde schnell zu klein als Lager, ein Handwerksbetrieb stellte gratis Räumlichkeiten zur Verfügung, die bis heute genutzt werden. Von dort wird voraussichtlich im Juni dann die letzte Fuhre per Lastwagen einer Logistik-Firma, die die Aktion ebenfalls gratis unterstützt, abgeholt.

Offiziell wird das Projekt von den Gründern der Aktion „Deckel drauf“ zum 30. Juni eingestellt. Die Gründe seien vielfältig, teilen sie auf ihrer Homepage mit. So seien die Preise für die Sekundärrohstoffe zuletzt deutlich gesunken, auch ausgelöst durch das chinesische Importverbot für Kunststoffabfälle. Man müsste also nun einen viel größeren Aufwand betreiben, um die bisherigen Ergebnisse zu erzielen.

Ein weiterer Punkt sei die neue Kunststoffstrategie der EU: Künftig müssen die Deckel fest mit der Flasche verbunden sein. Der Aktion würde dann wohl mittelfristig das Sammelgut ausgehen. „Bevor unser Projekt schleichend irgendwie zu Ende geht, wollen wir es nun anständig und sauber selbst beenden“, schreiben die Macher von „Deckel drauf“, die stolz sind auf weit über 900 000 finanzierte Schluckimpfungen.

„Stolz und glücklich“ ist auch Pamela Cellarius, „dass hier so viele mitgemacht haben. Unser Ergebnis war nur mit all den Unterstützern möglich.“

Wenn am 31. Mai in Naumburg Schicht ist, bleibt der 36-Jährigen nur noch, den Abtransport der letzten Ladung unzähliger Deckel zu organisieren und „das Projekt ordentlich abzuschließen“. Auch danach, sagt sie, werde sie sich weiter ehrenamtlich engagieren. „Ich werde mir etwas Neues suchen. Langweilig wird es mir jedenfalls nicht.“

Begeisterte Sammler: Pamela Cellarius mit ihrem achtjährigen Sohn Luis im Lager. Gut zwei Millionen Deckel befinden sich in den Säcken. Die Menge hat sie mit einer Waage ermittelt. 500 Deckel wiegen ein knappes Kilo. © Norbert Müller

HNA-online vom 26.04.2019

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